LEXIKONMaterialien und Oberflächen
Einscheibensicherheitsglas
Auch genannt: ESG, Sicherheitsglas, thermisch vorgespanntes Glas
Glas, das so wärmebehandelt ist, dass seine Oberflächen unter Druckspannung und sein Kern unter Zugspannung stehen; das ergibt etwa die vier- bis fünffache Biegefestigkeit von gewöhnlichem Floatglas und ein Bruchbild aus kleinen, stumpfkantigen Bruchstücken.
Wie es funktioniert
Die Scheibe wird auf etwa 620 °C erwärmt und dann mit Luftdüsen rasch abgekühlt. Die Oberflächen erstarren zuerst; während das Innere abkühlt und gegen die bereits starren Oberflächen schrumpft, stehen die Oberflächen am Ende unter Druck und der Kern unter Zug. Da Glas unter Zug von Oberflächenfehlern aus versagt, muss diese gespeicherte Druckspannung erst überwunden werden, bevor ein Riss entstehen kann. Nach der Behandlung lässt es sich auch nicht mehr schneiden oder bohren – jede Bohrung und jede Kante muss vor dem Vorspannen fertig bearbeitet sein.
Warum die Kante über alles entscheidet
Dieselbe gespeicherte Energie, die Einscheibensicherheitsglas fest macht, macht seine Kanten verletzlich: Ein Ausbruch, der durch die Druckzone hindurchreicht, setzt die Zugspannung im Kern frei, und das ist der Mechanismus hinter Scheiben, die scheinbar von selbst zerspringen. Kanten poliert und gesäumt ausschreiben, nie einen harten Gegenstand direkt auf der Kante aufliegen lassen und einen sichtbaren Ausbruch als Grund zum Austausch behandeln, nicht als Schönheitsfehler. Glas darf außerdem nie direkt auf Stahl aufliegen – an jede Auflagestelle gehören Klötze aus EPDM, Neopren oder Silikon.


