LEXIKONMaterialien und Oberflächen
Patina
Eine Oberflächenschicht, die sich auf Metall im Lauf der Zeit durch Reaktion mit der Umgebung bildet. Auf Stahl ist sie Eisenoxid, und ob sie das Metall schützt oder langsam aufzehrt, hängt allein davon ab, welches Oxid entstanden ist.
Stabil oder aktiv
Magnetit – schwarzes Eisenoxid, Fe₃O₄ – ist dicht, festhaftend und tatsächlich schützend. Rotbrauner Rost, wasserhaltiges Eisen(III)-oxid, ist porös, hält Feuchtigkeit am Metall fest und lässt die Reaktion unter sich weiterlaufen. Umgangssprachlich heißt beides Patina. Nur das Erste ist stabil, und beides mit Auge und Hand auseinanderzuhalten ist die nützlichste Einzelfähigkeit bei der Beurteilung von allem, was aus zurückgewonnenem Stahl gebaut ist.
Anlassfarben
Erwärmt man blanken Stahl an Luft, wächst ein sehr dünner Oxidfilm, der Interferenzfarben in fester Reihenfolge erzeugt: hellstrohgelb bei etwa 200 °C, braun bei rund 250 °C, violett gegen 280 °C, blau bei etwa 300 °C, grau oberhalb von rund 340 °C. An einem geborgenen Bauteil halten diese Bänder Schleifen, Brennschneiden oder Schweißen fest und markieren genau, wo Wärme in das Teil eingetragen wurde. Sie sind chemisch stabil und erhaltenswert – und mit einem Schleifvlies in Sekunden zerstört.


