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Edelstahl oder Kohlenstoffstahl: was in ein Wohnzimmer gehört

Edelstahl widersteht Korrosion wegen des Chroms, nicht weil er ein anderes Metall wäre. Er kostet mehr, lässt sich schwerer bearbeiten und wirkt kälter – und für die meisten Objekte im Innenraum ist er die falsche Antwort.

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Edelstahl oder Kohlenstoffstahl: was in ein Wohnzimmer gehört
Konzeptrendering – Produktionsstücke in Arbeit

01Die Chromoxidschicht und was sie tatsächlich leistet

Nichtrostende Stähle enthalten mindestens 10,5 % Chrom, das mit Sauerstoff zu einer sehr dünnen, transparenten, selbstheilenden Chromoxidschicht reagiert. Diese Passivschicht ist der gesamte Mechanismus. Beschädigt man sie mechanisch, bildet sie sich an Luft binnen Minuten neu; beschädigt man sie chemisch – durch Chloride oder dadurch, dass man sie mit einer stehenden Ablagerung bedeckt, die den Sauerstoff ausschließt –, geschieht das nicht, und auf diesem Weg entsteht am Edelstahl Lochfraß. Die gängigen Sorten sind 304, der austenitische Allzweckwerkstoff, und 316, der Molybdän für Chloridbeständigkeit enthält und für Arbeiten in Küstennähe und im maritimen Bereich vorgeschrieben wird.

02Wo welches Material sinnvoll ist

Edelstahl rechtfertigt seinen Preis dort, wo Wasser, Lebensmittel, Chemie oder Salz im Spiel sind: im Küchen- und Gastronomieausbau, bei Labor- und Medizinmöbeln, im Außenbereich und am Pool sowie überall dort, wo Hygiene wiederholtes aggressives Reinigen verlangt. Deshalb gibt es die Kategorie kommerziell überhaupt, und deshalb kostet eine Arbeitsplatte aus Edelstahl ein Mehrfaches einer lackierten. In einem trockenen, beheizten Wohnzimmer trifft keine dieser Bedingungen zu. Kohlenstoffstahl mit einer durchdachten Oberfläche bleibt dort auf unbestimmte Zeit stabil, kostet weniger und bietet etwas, das Edelstahl nicht bieten kann: eine Oberfläche mit Tiefe und Geschichte statt einer gleichmäßig hellen.

Edelstahl ist nicht rostfrei. Er ist korrosionsbeständig, und das nur, solange seine Oxidschicht unversehrt ist.

03Das Erscheinungsbild ist der eigentliche Entscheidungsgrund

Edelstahl hat einen kühlen, gleichmäßigen, leicht blaugrauen Charakter und reflektiert Licht gleichförmig. Darin ist er hervorragend, und es ist wirklich schwer, ihn warm erscheinen zu lassen. Kohlenstoffstahl nimmt nahezu jede Oberfläche an – blauschwarzer Walzzunder, gebläut und geölt, brüniert, zu einem weichen Graphit gewachst oder mit der Patina aus dem Betrieb belassen – und wirkt neben Holz, Wolle und Putz wärmer. In einem Raum, in dem das Objekt Präsenz haben und nicht verschwinden soll, gibt Kohlenstoffstahl mehr her. In einem Raum, der um eine klare helle Palette herum gebaut ist, ist Edelstahl die stimmige Wahl.

04Bearbeiten und Reparieren

Kohlenstoffstahl lässt sich leichter schweißen, schneiden, bohren und verputzen, und er kann örtlich repariert werden: Ein Kratzer lässt sich von Hand nacharbeiten und neu brünieren, und eine beschädigte Stelle lässt sich in die umgebende Oberfläche einarbeiten. Edelstahl verfestigt sich beim Bearbeiten rasch, verlangt eigenes Werkzeug, um eine Kontamination durch Fremdeisen zu vermeiden, und braucht nach dem Schweißen eine Passivierung, um die Korrosionsbeständigkeit wiederherzustellen; ein Kratzer auf einer gebürsteten Edelstahlfläche lässt sich kaum angleichen, ohne die ganze Fläche zu überarbeiten. Bei einem Einzelstück, mit dem man Jahrzehnte lebt, zählt die Reparierbarkeit mehr, als die meisten Käufer erwarten.

05Warum unsere Objekte aus Kohlenstoffstahl sind

Die Bauteile, mit denen wir arbeiten, stammen aus Erdbaumaschinen, und diese Maschinen bestehen fast vollständig aus unlegierten und niedriglegierten Stählen – Baustahlblech, vergütetes Verschleißblech, einsatzgehärtete Bolzen, Körper aus Stahlguss. Das Material so zu verwenden, wie es ankam, ist keine stilistische, sondern eine sachliche Entscheidung: Das Objekt ist, was es war. Es wird versiegelt und nicht galvanisch beschichtet, damit die Verschleißspur lesbar bleibt. Die Pflege ist ein trockenes Tuch und sonst nichts: Der matte Klarlack ist der Schutz, und darüber aufgetragenes Wachs oder Öl bildet nur einen Film, der Staub festhält. Das ist der Nachteil gegenüber Edelstahl, und im Innenraum ist er gering.

Objekte in dieser Notiz

Beistelltisch COUPLER 75 aus einem Schnellwechsler eines Baggers in einem minimalen Interieur.

COUPLER 75

Beistelltisch
HA–15
Beistelltisch SWIVEL 75 aus einer hydraulischen Drehdurchführung in einem ruhigen Interieur.

SWIVEL 75

Beistelltisch
HA–16
Beistelltisch PIN 60 auf drei Gelenkbolzen aus Stahl in einer Bibliothek.

PIN 60

Beistelltisch
HA–08

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